| Kassel. "Spätestens
ab 2020" soll Schluss sein mit Kaliabwässern in der
Werra und mit der Versenkung von Laugen im Untergrund der Kaliregion
im Kreis Hersfeld-Rotenburg.
Das ist der Kern der Abschlussempfehlung, mit
der der runde Tisch zur Werraversalzung gestern nach knapp
zwei Jahren seine Arbeit beendet hat. Stattdessen: Unverzügliche
Planung einer Fernleitung zur Nordsee, die spätestens
2020 funktionieren soll - so beschlossen mit 20 gegen drei
Stimmen. Das Nein kam vom Kasseler Kalikonzern K+S, dem Land
Niedersachsen und von Niedersachsens Fischern.
Dass K+S seine Abwässer bis 2015 zwar von 14 Millionen
auf sieben Millionen Kubikmeter halbieren, die alten Entsorgungswege
für den Rest der Flüssigabfälle aber nicht
aufgeben will, sehen runder Tisch und Hessens Landesregierung
mehr als skeptisch. Zu riskant, warnten auch Gutachter, für
deren Vorträge das Abschlussvotum vom November auf gestern
vertagt wurde.
Königsweg
Am runden Tisch war seit Monaten klar: Das Rohr
zum Meer bleibt der Königsweg gegen Umweltschäden
aus der Kaliindustrie. Weil es Werra und Weser die Fabrikabwässer
erspart, weil es überdies die Versenkung der salzigen
Fluten in tiefe Gesteinsschichten überflüssig macht.
Und weil die Pipeline auch noch all das entsorgen könnte,
was der Regen aus den riesigen Salzhalden von K+S an Werra
und Fulda wäscht. Die weißen Berge liegen noch
über Jahrhunderte, auch wenn der Bergbau längst
Geschichte sein wird.
Jetzt ist die Politik vor allem in Hessen am Zug. Und da gilt
die Vorgabe vom Sommer 2009: CDU-Ministerin Silke Lautenschläger
will von K+S bis Frühjahr 2011 die verlässliche
Entscheidung zum Pipelinebau - mit Einweihungstermin. Zudem
möchte Wiesbaden wissen, wann die Versenkung "definitiv"
enden kann. Beides soll K+S liefern, bevor über eine
Übergangsphase verhandelt wird. Die beginnt Ende 2011
mit dem Auslaufen der bisherigen Versenkerlaubnis. Der alte
Chloridgrenzwert aus dem Dritten Reich, der die Mindestverdünnung
der Salzabwässer in der Werra festlegt, gilt auch nur
bis 2012.
Zwei Entsorgungswege für Flüssigabfälle also
sind es, an denen die Produktion der vier Fabriken in Heringen
und Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg), in Unterbreizbach
(Wartburg-Kreis) und in Neuhof-Ellers hängt. Die Uhr
gegen die Versenkung tickt aber schon länger immer lauter:
Nach oben zurücksteigende Lauge gefährdet Grund-
und Trinkwasser. Da darf das Land nicht ewig zugucken. Ein
Rechtsgutachten, das Wiesbaden sich eingeholt hat, warnt:
"Dem Schutz des Grundwassers kommt grundsätzlich
Vorrang vor anderen betroffenen Rechten und Gemeinwohlinteressen
zu."
Soll heißen: Es können Situationen entstehen, in
denen die Versenkung ganz schnell abgestellt werden muss -
so wie im April 2008 am Werk Neuhof-Ellers. Und ohne große
Diskussion über die gut 5000 K+S-Jobs und die Wertschöpfung
aus der Kaliindustrie in der Region. Das Gutachten zur kritischen
Lage der Trinkwassergewinnung an der Werra: "In den 80er-Jahren
wurden vier Brunnen stillgelegt oder baulich verändert."
Jetzt seien immerhin "zum Teil deutlich erhöhte
Chlorid-Konzentrationen festgestellt" worden.
Von Wolfgang Riek
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