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Die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger
hat die Wiederansiedlung des Bibers im Spessart als erfolgreichstes
hessisches Artenschutzprojekt gewürdigt. Ein Nagetier
ist zum Symbol für erfolgreichen Artenschutz geworden.
Der Biber ist hier wieder heimisch, betonte Lautenschläger
am Mittwoch in Sinntal-Breunings (Main-Kinzig-Kreis) beim
Auftakt der Hessen-Forst-Veranstaltungsreihe zum Internationalen
Jahr der Biodiversität. 400 Biber gibt es
mittlerweile in der Region. Das ist eine stattliche Zahl,
betonte Lautenschläger angesichts der Ausgangspopulation.
18 Biber wurden zwischen 1987 und 1988 an den Bächen
Jossa und Sinn im nördlichen Spessart ausgewildert.
Das gemeinsam von der ehemaligen hessischen
Landesforstverwaltung, der Naturschutzverwaltung und der Hessischen
Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON)
konzipierte Projekt hat sich mittlerweile zu einem europaweit
beachteten Naturschutzprojekt entwickelt. Das Biber-Projekt
leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenerhalt. Zudem sind
im Zuge der Wiederansiedlung des Bibers auch wichtige Renaturierungsmaßnahmen
durchgeführt worden, unterstrich Lautenschläger.
So wurden mehr als 62 Hektar Grünlandflächen mit
finanzieller Unterstützung der Naturschutzverwaltung
erworben und zu naturnahen Auenbereichen entwickelt. Diese
Maßnahmen verbessern nicht nur den Lebensraum des Bibers
und anderer Arten, die auf natürliche Gewässerlandschaften
angewiesen sind, sondern sie dienen zugleich dem vorbeugenden
Hochwasserschutz, erläuterte die Umweltministerin.
Der Biber sei ein gelungenes Beispiel für
ein erfolgreiches Kooperationsprojekt zwischen Forstwirtschaft
sowie amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz, hob Michael
Gerst, Leiter des Landesbetriebes Hessen-Forst, hervor. Nur
durch das Zusammenwirken der unterschiedlichen Institutionen
und die tatkräftige Mitwirkung zahlreicher amtlicher
und ehrenamtlicher Kräfte können wir heute auf eine
mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte des Naturschutzes
zurückblicken, sagte Gerst.
Nach der Konzeption des Landesbetriebs Hessen-Forst
soll künftig jedes der 41 hessischen Forstämter
die Patenschaft für eine besondere Tier- oder Pflanzenart
oder für einen Lebensraum übernehmen. Diese Artenpatenschaften
werden die bisherigen umfangreichen Arten- und Biotopschutzmaßnahmen
in Hessens Wäldern langfristig unterstützten, so
Gerst.
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Gesamtkonzeptes
sind Hilfsprogramme für Arten, die dem europäischen
Naturschutzrecht unterliegen. Für 19 nach EU-Recht geschützte
Tier- und Pflanzenarten werden derzeit im Auftrag des Hessischen
Umweltministeriums durch die Hessen-Forst-Servicestelle für
Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) Schutzkonzepte erarbeitet.
Darüber hinaus setzt Hessen-Forst weitere Artenhilfsprogramme,
wie für den Biber, die Kreuzotter oder den Schwarzstorch
um.
Hintergrundinformation zum Jahr der Biodiversität
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2010 zum
Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt,
um das Thema Erhalt der biologische Vielfalt stärker
in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Nach Angaben der International Union for Conservation
of Nature (IUCN) sind mehr als 16.000 Arten weltweit vom Aussterben
bedroht, darunter rund ein Viertel aller Säugetiere und
ein Drittel aller Amphibien. Der Umweltschutzorganisation
zufolge wird jedes Jahr weltweit eine Waldfläche von
13 Millionen Hektar zerstört.
Das Land Hessen ist 2007 als erstes deutsches
Bundesland der IUCN Initiative Countdown 2010
beigetreten, um den Aktivitäten zur Eindämmung des
Artenschwundes auch ein zeitliches Ziel zu setzen.
Eine weitere Vereinbarung im Countdown
2010 besteht darin, das Biodiversitätsziel 2010
in die nachhaltige Bewirtschaftung des hessischen Staatswaldes
zu integrieren.
Die 41 hessischen Forstämter fördern
über Artenhilfskonzepte und Artenschutzprojekte viele
seltene Arten im Wald, z. B. durch:
* die Waldbachrenaturierung und Wiederansiedlung
des Bibers im Spessart,
* die Anlage von Teichen als Nahrungsbiotope für den
seltenen Schwarzstorch,
* die Waldrandpflege und die Schaffung lichter warmer Flächen
für die Kreuzotter,
* die Forschung und Entwicklung von Schutzmaßnahmen
für den sehr seltenen Braunschen Schildfarn am Hohen
Meißner,
* die Förderung des Frauenschuhs als seltene Waldorchidee,
* die Entwicklung einer Schutzkonzeption für die Mopsfledermaus,
* Erfassung, Schutz und Förderung der Wildkatze in
Hessens Wäldern,
* die Beteiligung an Artenschutzprojekten, z. B. für
die Äskulapnatter, der einzigen deutschen Baumschlange.
Für das Internationale Jahr der Biodiversität
2010 plant Hessen-Forst landesweit Aktionen zum Thema
Artenvielfalt im hessischen Staatswald. Dabei werden saisonale
und regionale Themenschwerpunkte aufgegriffen und in Partnerschaft
mit örtlichen Naturschutzgruppen umgesetzt.
Pressestelle: Ministerium für Umwelt, Energie,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Pressesprecher: Christoph Zörb, Mainzer Str. 80, D-65189
Wiesbaden
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