Naturschutz
 
 

Artenvielfalt ausgelöscht durch Kormoran!

 
ARGE -Sinntal informiert und macht letzten Versuch in der Hoffnung, dass die Politik ihr Wort zum Erhalt der Biodiversität in Entscheidungen umsetzt.
 
Nach einem leichten Gewitterregen fließt in schwungvollen Mäandern die Sinn durch das liebliche Tal bei Altengronau. Am Ufer Totholz, ausgespülte Erlenwurzeln, Gleit- und Prallufer, im Wasser flutender Hahnenfuß, Fieber-Quellmoos, Kiesbänke, Rieselstrecken, größere Steine, in deren Rückstau sich sandige Kolke gebildet haben - kurz ein Fließgewässer mit optimalen Laichplätzen für Kieslaicher. Dieses Flüsschen steht stellvertretend für einige Flüsse in Hessen mit sehr guter Gewässerstruktur und Gewässergüte wie z.B. obere Eder, obere und mittlere Fulda, obere Lahn, Diemel, Dill, Mümling, die Wetter und die Usa, um nur einige zu nennen. An diesen Flüssen und insbesondere an der Sinn versuchen die Angelvereine sowie die ARGE-Sinntal durch unterstützenden Fischbesatz die autochthonen Bestände zu erhalten, bzw. fast ausgestorbene Fischarten wieder anzusiedeln. Seit über zehn Jahren wurden Äschen, Barben, Nasen, Bachforellen, Gründlinge, Schmerlen, Koppen und Elritzen in die Sinn eingesetzt. Die regelmäßigen E-Kontrollfischen, ausgeführt von Dr. Torsten Klagges und Peter Paulini ließen auf ein gutes Reproduktionspotenzial dieser Besatzmaßnahmen schließen. Das stimmte die Mitarbeiter der ARGE zuversichtlich, hier einen besonderen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten. Doch die akribisch geführten Dokumentationen von Alfred Schmidt, Vorsitzender der ARGE-Sinntal belegen, dass seit 10 Jahren mit steigender Zunahme der einfallenden Kormorane der gesamte Fischbestand gegen Null tendiert. Die letzte E-Befischung bestätigte die Vermutung: "Die Vernichtung des heimischen, genetischen Erbgutes dürfte bereits geschehen sein," stellte Alfred Schmidt resigniert fest. Konfrontiert mit dieser Tatsache, meint der Vorsitzende des NABU Hünfeld, Matthias Müller: "Nicht der Kormoran ist hier Schuld am verschwinden der Fische, sondern die verschlammten, verbauten geradlinigen Gewässer, die ohne jegliche Strukturen sind, diese sind ursächlich der Grund für das Aussterben von Bachforelle und Äsche." - Leider hatte er wohl bei dieser Aussage die falsche Argumentationshilfe des NABU zu Rate gezogen. Wenn man der Logik von NABU und HGON folgt, könnten an diesen obengenannten Gewässern und speziell an der Sinn auch der falsche Besatz mit viel Wels und Hecht die Ursache sein. (Zur Erklärung: Wir sprechen hier von der Forellen-, Äschen- und Barbenregion). Auch die Behauptung von Dr. Matthias Werner von der staatl. Vogelschutzwarte "der Kormoran frisst nur fischereiwirtschaftlich unbedeutende Weißfische", kann so auch nicht stimmen. Döbel, Nasen, Rotaugen und ein paar Rotfedern wurden noch in bestandserhaltender Anzahl beim E-Fischen registriert (Zur Erklärung: Weißfische). Dies sind nur ein paar unsinnige Äußerungen von Naturschutzexperten, die zu Irritationen beim Thema Kormoran in der Öffentlichkeit sorgen.
Fakt ist, dass der bisherige Gesamtschaden an der Fischfauna im Sinntal z.Zt. ca. 50.000 Euro beträgt. Schäden durch Kormorane, die sich mittlerweile an der Sinn etabliert haben und im Winter durch die Zugvögel aus Skandinavien noch verstärkt werden. Der Prädatoreneinfluss durch Kormoran auf den Fischbestand an der Sinn ist durch die ARGE-Sinntal über Jahre vorbildlich erfasst und dokumentiert. Daraus lässt sich schließen, dass unser Ökosystem in keinster Weise auf die derzeit sich ausbreitenden Kormoranpopulationen eingestellt ist. Zumal der Kormoran an unseren kleinen Flüssen nie heimisch war und in Hessen nur als Durchzügler registriert wurde. Dr. Torsten Klagges von der ARGE-Sinntal bemerkt: "Kormorane sind kosmopolitisch verbreitete Kolonialbrüter, deren Populationsdichte primär durch das Angebot an Futtertieren, geschützte Bruthabitate und nicht durch innerartliche Konkurrenz begrenzt wird. Deshalb stellt sich zwischen einer Kormoran-Kolonie und einer bestimmten Fischpopulation in einem Gewässer auch kein Gleichgewicht ein. Sobald das Gewässer leergefressen ist, verlagert der Vogel den Einsatzort." Trotz dieser herben Niederschläge im Fischartenschutz hat die ARGE-Sinntal am 28. Juli diesen Jahres noch einmal einen Besatz mit Äschen und Bachforellen im Umfang von 7.000 Euro getätigt, um einen Neuaufbau zu versuchen. "Wir hoffen, dass die verantwortlichen Behörden im Artenschutz, entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Fischarten ergreifen und nicht durch Unterlassung solcher, zur Ausrottung der Artenvielfalt in unseren Gewässern beitragen," konstantiert Alfred Schmidt.
Es ist nicht die EU-Vogelschutz-Richtlinie, die einer Problemlösung bisher im Wege steht, es sind vielmehr unsere eigenen Politiker. Der Verband Hessischer Fischer e.V. wird weiterhin die Arbeit der ARGE unterstützen und dafür kämpfen, dass eine weltweit nicht gefährdete Vogelart, mehrere geschützte Fischarten nicht an den Rand der Ausrottung bringt.

Günter Hoff-Schramm

Fischzüchter Lothar Keidel eklärt die Problematik bei der Aufzucht der Jungäschen Großes Medieninteresse für die Flossenträger . . .
Bürgermeister Carsten Ulrich (links) und Alfred Schmidt sind sich einig,
"die Politik muß handeln."
Dr. Torsten Klagges und Dao, ARGE, (v.l.) beim Einbringen der Fisch
 
Fotos: ghs