Fachseminar für hessische Erwerbsfischer in Alsfeld vom 24. - 25. September 2007

Thema: Steigende Produktionskosten in der Fischzucht

Zu einem Fachseminar der Sparte Erwerbsfischerei hatte der Verband Hessischer Fischer seine Mitglieder am 24. und 25. September nach Alsfeld eingeladen. Etwa 80 Teilnehmer aus Hessen und Gäste aus anderen Bundesländern verfolgten ein zweitägiges Seminar mit hochkarätigen Referenten aus der Praxis. Der Referent für Erwerbsfischer Kai Uwe Bernhard hatte Fachleute aus ganz Deutschland und sogar aus Dänemark für ein umfangreiches Programm mit insgesamt 17 Vorträgen gewinnen können und mit diesem Programm Maßstäbe gesetzt. Am Montagmorgen begrüßte Kai Uwe Bernhard die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, Referenten und Ehrengäste. Präsident Niklas Hafenrichter sowie die Vizepräsidenten Gert Wenderoth und Horst Siebert waren anwesend. Karl Apel, der stellv. Abteilungsleiter Forsten und Naturschutz im zuständigen Hessischen Ministerium, Guntram Ohm Winter vom RP Gießen sowie Dr. Günther Lißmann vom RP Kassel vertraten die hessischen Behörden. In seinem Grußwort hob Präsident Hafenrichter die gute Zusammenarbeit mit den Behörden hervor, deren Anwesenheit an diesem Tag das Interesse an den hessischen Berufsfischern zeigte.
Nach der Zusammenführung beider Verbände habe der VHF in seinem Präsidium auch neue Köpfe gewinnen können, die mit neuen Gedanken die Verbandsarbeit voranbringen. Dieses Seminar sei ein gutes Beispiel dafür. Er wünschte der Versammlung einen erfolgreichen Verlauf und den Teilnehmern und Teilnehmerinnen viele neue Erkenntnisse.Guntram Ohm Winter zeigte sich in seinem Grußwort im Namen der hessischen Behörden begeistert, was die hessische Berufsfischerei unter Organisation von Kai Uwe Bernhard mit dem Seminarprogramm auf die Beine gestellt habe und freute sich, dass diese Veranstaltung in seinem Verwaltungsbereich, dem RP Gießen, stattfindet. Kai Uwe Bernhard stellte das für Praktiker ausgerichtete Programm für die beiden Tage vor und gab noch einige organisatorischen Punkte bekannt. Als Moderator der Veranstaltung leitete er zum ersten Vortrag über. Im nachfolgenden sind die Vorträge für einen Einblick in das Seminar kurz vorgestellt.

:Fischereiförderung

Regine Schuster vom RP Gießen stellte die Möglichkeiten der Förderung für die hessischen Fischereibetriebe vor. Das bisher bekannte Programm FIAF (Finanzinstument für die Ausrichtung der Fischerei) wird Ende 2007 auslaufen. Für 2007 werden noch Anträge bei den zuständigen Regierungspräsidien angenommen. Gefördert werden u.a. Teichsanierung, Umbau / Modernisierung von Betriebsanlagen, Verbesserung der Wasserqualität, der Hälteranlagen sowie Maßnahmen zur Absatzförderung. Betriebe können mit 5% Landesmitteln und 15% EU Mitteln gefördert werden. Bisher haben die hessischen Berufsfischer die Fischereiförderung jedoch kaum in Anspruch genommen.

Wiedereinbürgerungsprogramme


Walter Fricke vom RP Gießen referierte über das EU Lifeprojekt "Maifisch" und stellte die Lebenszyklen des Fisches vor, der nur noch in Südwestfrankreich vorkommt, dessen Bestand im übrigen Europa dramatisch zurückgegangen ist und in Deutschland als ausgestorben gilt.
Ziel des Projektes, welches im Januar 2007 begonnen hat, ist die Erhaltung und der Schutz des Maifisches in Europa. Weitere Informationen unter www.alosa-alosa.eu
Referatsleiter Karl Heinz Apel im Umweltministerium überbrachte die Grüße seines Hauses und zeigte sich optimistisch, dass u.a. Wiederansiedlungsprogramme wie "der Maifisch" oder das bereits laufende Lachsprogramm eine gute Öffentlichkeitsarbeit für die Fischerei in Hessen sein werden, um bei der Bevölkerung eine höhere Nachfrage für das gesunde Nahrungsmittel Fisch, in der Region zu erzeugen. Er versicherte, dass das Land Hessen die weitere Förderung aus EU Mitteln für die hessische Fischzucht unterstützen werde.

Wasserrahmenrichtlinie

Walter Fricke erläuterte die seit 2001 in Kraft getretene Europäische Wasserrahmenrichtlinie, dessen Ziel das Erreichen des guten ökologischen Potentials von Oberflächengewässer und Grundwasser bis zum Jahr 2015 ist. Er stellte die Maßnahmen im Zeitplan sowie die beteiligten Behörden vor. Weitere Informationen unter www.hmulv.hessen.de, Button "Umwelt", und dort "Wasser"

Fischseuchenbekämpfung


Dr. Joachim Nilz vom Fischseuchenbekämpfungsdienst Hessen referierte über Infektionskrankheiten. Er stellte den Ausbruch und Verlauf der Viralen Hämorrhagischen Septikämie (VHS) vor. An dieser Infektionskrankheit erkranken Fische jeden Alters und sie kann in drei Phasen verlaufen. Die Übertragung erfolgt von Fisch zu Fisch und über Wasser. Infektionsquellen können unter anderem der Zukauf infizierter Fische, das Zulaufwasser sowie Wasservögel sein. Auch Menschen können den Erreger durch Gerätschaften und z.B an Ihrer Kleidung anhaftend einschleppen.
Eine neue Fischseuchenverordnung ab 2008 (nationale Umsetzung der EU RL 88/2006 mit Gesundheits- und Hygienevorschriften für Tiere in Aquakultur und für Aquakulturerzeugnisse zur Verhütung und Bekämpfung bestimmter Wassertierkrankheiten) schreibt u.a. Buchführungspflichten über eingesetzte Medikamente, Tiergesundheitsüberwachung und Überwachung der Produktionseinrichtung vor.

Einführung in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in der Forellenteichwirtschaft


Dr. Helmut Wedekind vom LfL Institut für Fischerei Starnberg erläuterte Statistiken zur europäischen Forellenproduktion. Demnach werden in Europa jährlich etwa 365.000 Tonnen Forellen produziert davon in Deutschland ca. 24.000to. Hessen steht mit einer Jahresproduktion von geschätzten 1.505 Tonnen auf Platz 4 der Bundesländer in Deutschland.Er stellte verschiedene Produktionsanlagen zur Forellenzucht in Deutschland vor und erklärte, welche Einflüsse von außen auf die Produktion einwirken und welche Rahmenbedingungen in den Betrieben vorliegen können.
Danach ging Herr Dr. Wedekind auf die Betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Forellenteichwirtschaft ein und erläuterte Fixe, sowie Variable Kosten und Erfolgsbegriffe der Forellenzucht.
Die Möglichkeiten zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit können betriebsspezifisch z.B. in der Erhöhung der Produktivität liegen die mit der Technisierung, dem Eintrag von Reinsauerstoff und der Rezirkulation von Wasser geschehen kann.
Zusammengefasst kann die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit durch Optimierung der Haltungsbedingungen, der Fischgesundheit, der Futterverwertung und durch die Verbesserung der Vermarktung erfolgen.

Beipielhafte Kostenkalkulation zur Wirtschaftlichkeit in der Forellenteichwirtschaft

Dr. Reinhard Reiter vom LfL Institut für Fischerei Starnberg stellte Kostenkalkulationen
in einem beispielhaften Forellenbetrieb mit 43 Tonnen Jahresproduktion vor. Der Beispielbetrieb wurde mit einer mittleren Forellenproduktion von 370 kg pro l/s und Jahr mit einem Frischwasserzulauf 116l/s und 2.400 Arbeitskraftstunden angenommen. Aufgeteilt nach vier Produktionsverfahren (Eierbrütung, Brutaufzucht, Produktion von Portionsforellen und Lachsforellen) unter Kriterien wie Arbeitszeitbedarf, Arbeitsproduktivität, Wasserbedarf, Wasserausnutzung, Produktionsdauer, sowie Produktionsintensität wurde ein sehr praxisnahes Beispiel dargestellt.Weitere Informationen über Daten und Faustzahlen zu Kosten, Deckungsbeiträgen, Betriebsplanung etc. können demnächst unter www.ktbl.de bezogen werden.

Weltsituation Rohmaterialien, Forschung


Peter Jessen, Euro Support Manager BioMar A/S, präsentierte den Weltmarkt für Fischfutterrohstoffe. Steigende Nachfrage und geringere Produktion gerade bei marinen Bestandteilen werden zwangsläufig in Zukunft zu Kostensteigerungen führen. Seit Jahren sinkt die Produktion von Fischmehl in den fünf größten fischmehlproduzierenden Ländern, die Preisentwicklung des Fischmehlpreises bewegt sich auf Grund dessen nach oben und hat sich aktuell auf hohem Niveau stabilisiert. Der Markt für Pflanzliche Rohstoffe ist derzeit von Spekulationen geprägt, unstabil und zeigt einen Anstieg der Preise.
Die Forschung geht wie schon seit Jahren bei BioMar A/S dahin, unabhängiger von einzelnen (insbesondere der marinen Rohstoffe) zu werden. Mit einem eigenen Forschungscenter, in dem Futter in kleinen Mengen 1:1 zur großen Produktion als Testversion produziert werden kann und der BioMar eigenen Versuchsstation für Fische in Hirtshals sowie internationaler Zusammenarbeit stellt sich BioMar dieser Aufgabe.

Informationen aus dem Internet

Dr. Helma Slierendrecht BioMar A/S stellte unter www.biomar.dk die Homepage des Untenehmen vor, die in deutscher Sprache zur Verfügung steht. Hier geht es nicht nur um Futter sondern viel mehr um alle Informationen zur Forellenzucht! Zu fast allen Themen des Seminars kann man lohnenswerte Informationen auf dieser Homepage finden. Wissenswertes zur Fischgesundheit mit Beschreibung von relevanten Krankheiten, Bauanleitungen für Geräte zur Wasseraufbereitung, Informationen zu Futterversuchen und vieles mehr stehen kostenlos zur Verfügung. Mit dem Forellenkochbuch FishAndCook hat BioMar A/S damit begonnen, die größte Sammlung von Forellenrezepten im Internet zusammenzustellen.
Kai Uwe Bernhard erläutert, dass dieses Kochbuch als "Verkaufswerkzeug" für Fischzüchter dienen soll, da die Fischkonsumenten sich hier "Appetit und internationale Rezepte" für frische Forellen" holen können!

Forschung, Fütterung

Peter Jessen, Euro Support Manager BioMar A/S erläuterte in seinem nächsten Vortrag die Bedeutung der Produktionsplanung und die Wichtigkeit einer optimalen Auslastung von Fischzuchten. Die Produktionsplanung soll Kundenwünsche, Auslastung der Anlage, Wasserqualität- und Verfügbarkeit, Besatzmaterial und Krankheitsrisiken berücksichtigen.
In einigen Beispielen stellte er dar, in welchem Verhältnis verschiedene Futter stehen können, wie sich Futterquotient und Täglicher Zuwachs zueinander verhalten und ab welcher Fütterungsintensität mit einem Gewinn für den Fischzüchter gerechnet werden kann.Er empfahl neben den Informationen von Futtermittelberatern oder Erfahrungswerten von anderen Fischzuchten die Wahl der Fütterungsstrategie unbedingt in der eigenen Anlage auszuprobieren und gab den Tipp, sich unter www.biomar.dk die Anleitung zu einem Futterversuch auszudrucken.

Teichverwaltungsprogramm für Teichwirtschaften/ Forellenzuchten


Das von Gisela Dahms www.gidaso.de vorgestellte Teichverwaltungsprogramm DASSALMO geht auf die von Peter Jessen angesprochenen Punkte ein und behandelt u.a. die Menüpunkte Besatz, Fütterung, Abfischung, Betriebsdaten, Verwaltung, Teichdaten und Fischarten mit Bestandsübersicht. Maßnahmen wie Einsatz von Belüftern, Arbeitseinsätze, Wasserproben können eingetragen werden. Das Programm kalkuliert Produktionskosten und gibt die gewünschten Auswertungen in übersichtlicher Form wieder. Auch hier wurde ein praxisnahes Produkt vorgestellt, mit einer Herstellerin, die gerne Anregungen aus der Praxis annimmt.

Was kosten Krankheiten? Wie kann man Krankheiten reduzieren und dadurch Kosten einsparen?


Dr. Helma Slierendrecht, Fischpathologin bei BioMar A/S, referierte nun über das Gesundheitsmanagement für Fischzuchten und dokumentierte mit praxisnahen Beispielen, wie viel Krankheiten kosten können. Neben den sichtbaren Verlusten (Fischverluste, Untersuchungen, Medikamenten) stellte sie die wesentlich größeren "versteckten" Verluste (Vermindertes Wachstum, Lieferverzögerung, höherer Arbeitsaufwand, höherer Futterbedarf usw.) eindrucksvoll dar.
Die Entstehung eines Krankheitsausbruchs ist immer ein Zusammenspiel zwischen Erregern (Viren, Bakterien, Pilze Parasiten), Fischen (deren Immunsystem, Stress und Genetik) und Umwelt (Wasserqualität, Temperatur, Besatzdichte, Futter) Frau Dr. Slierendrecht erläuterte Möglichkeiten der Behandlung und Prophylaxe von Viruserkrankungen, bakteriellen Erkrankungen, Infektionen mit Pilzen und Parasiten. Insbesondere die Vorbeugung von Krankheiten waren ihr ein wichtiges Anliegen, mit Impfungen, Gesundheitsfutter und guten Umweltbedingungen lassen sich oftmals die teueren Krankheitsausbrüche vermeiden. "Vorbeugen ist immer besser als Behandeln" war ihr wichtigstes Anliegen an die Teilnehmer!

Technologische Entwicklungen, weniger Wasser - verstärkte Produktion


Anders Andreasen, Berater für technologische Entwicklungen bei BioMar A/S, stellte die
Möglichkeiten verstärkter Forellenproduktion vor. Dabei ging er auf die Rezirkulation von Wasser ein, die insbesondere in Dänemark Verwendung findet. Die wichtigsten Merkmale dieser Forellenproduktion liegen in einer erhöhten Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Haltungseinheiten, die möglichst schnelle Entnahme der Stoffwechselprodukte der Fische und die Aufbereitung des gesamten rezirkulierten Wassers. Er erläuterte die Zusammenhänge der verschiedenen Wasserparameter, der Reaktionen im Fisch und die Möglichkeiten optimale Haltungsbedingungen zu schaffen. Detaillierte Beispiele zeigten die Probleme und Vorteile der verschiedenen Techniken auf und belegten, wie sich die verschiedenen Kosten der Produktionsarten auswirken können.

Fütterungstechnik


Manfred Andessner von der Firma Schauer www.schauer.co.at präsentierte die Technik der vollautomatisierten Schauer-Fütterung für die Forellenzucht. Mit Referenzbetrieben belegte er die Effizienz dieser Technik, die auch über weite Strecken eine genaue Fütterung der Fische erreicht. Erläuterungen zur Funktion und der Kosten-Nutzenanalyse rundeten seinen Vortrag ab, der belegte, dass mit einer geplanten und genauen Fütterung eine Kosteneinsparung zu erreichen ist.

Energieoptimierung


Anders Andreasen, Berater für technologische Entwicklungen bei BioMar A/S zeigte in seinem zweiten Vortrag die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung in der Forellenzucht auf.
Methoden zur Sauerstoffanreicherung und Entgasung z.B. durch Konlonnenbelüfter oder Mammutpumpen, Niederdruckgebläse, Sauerstoffplattform und Sauerstoffkegel stellte er gegenüber und erläuterte dabei die Installation, den Betrieb und die Wirkung dieser Methoden. Informationen zum Bau eines Kolonnenbelüfters findet man z.B. unter www.biomar.dk . Mit vielen Bildern dokumentierte er diese Technologien, die auch bei uns immer häufiger Anwendung finden.

Seminarabschluss / Resümee

Kai Uwe Bernhard Referent für Erwerbsfischerei im Verband Hessischer Fischer stellte am Ende des zweiten Tages fest, dass ihn das überwältigende Interesse an diesem Seminar beeindruckt hat. Ziel war, ein Seminar für Praktiker anzubieten und zu zeigen, wie wichtig es ist, sich mit den Entwicklungen der Branche zu beschäftigen. Erfreut äußerte er sich über das Interesse der Fischereibehörden, denen er im Laufe des Seminars einige kritische Anmerkungen mitgab, wie es um den Bürokratieaufwand und die Anforderungen and die Fischzüchter im Verhältnis zur Betriebsgröße und den Arbeitsaufwand steht.
Die Fischzucht in Hessen hat mit diesem Seminar gezeigt, dass sie eine wichtige, verantwortungsvolle Branche ist, die nachhaltig ein hochwertiges, gesundes Lebensmittel vor Ort erzeugt.