"Herausforderung für Fischzuchtbetriebe"

Ein Fachseminar vom Verband Hessischer Fischer bot ein breites Themenspektrum - Im Mittelpunkt: Probleme und Kosten
Oberhessische Zeitung vom 26.09.2007
Rund 70 Teilnehmer füllten den Tagungsraum des Verbandes Hessischer Fischer.
 
 
EUDORF (la). Mit dem Thema "Steigende Produktionskosten in der Forellenzucht" befasste sich das erste hessenübergreifende Seminar für Erwerbsfischzüchter, ausgerichtet als zweitägige Veranstaltung vom "Verband Hessischer Fischer" (VHF), dem derzeit 35 000 Mitglieder aus der Angel- und Erwerbsfischerei angehören. 70 Interessierte nahmen im Hotel "Zur Schmiede" teil.

Kai Uwe Bernhard, Verbandsreferent für Erwerbsfischer und selbst Betreiber einer Forellenzucht in Storndorf zeichnete für Organisation und Gesamtmoderation verantwortlich. Ihm war es gelungen, zahlreiche Fachleute als Referenten gewinnen zu können. Auf dem Programm standen 17 Fachbeiträge von Referenten sogar aus Dänemark. Damit sei diese Tagung weit über Hessen hinaus einzigartig, zeigte sich der Vogelsberger Bernhard überzeugt. Dänemark gilt übrigens als einer der führenden Forellenproduzenten in Europa.
In seinem Grußwort hatte VHF-Präsident Niklas Hafenrichter aus Wiesbaden Freude darüber bekundet, denn bei einer solchen Veranstaltung werde offensichtlich, dass der VHF kein Verband von "irgendwelchen kleinen Organisationen" sei, sondern dass man vielmehr alle hessischen Fischer vertrete. Die Zusammenarbeit zwischen Beruf und den Angelvereinen sei insofern wichtig, weil gerade die hessischen Fischzüchter erheblichen Anteil an der Arterhaltung der Fische hätten. Eine derartige Fortbildungsveranstaltung sei wichtig, um das Gefühl zu vermitteln: "Wir sind eins. Wir gehören zusammen."
Auch der stellvertretende Abteilungsleiter Forsten und Naturschutz im Hessischen Umweltministerium, Karl Apel, hob in seiner Grußadresse an die Versammlung die Bedeutung von Programmen wie "Maifisch" oder "Lachs" hervor. Diese benötige man über Hessen hinaus im Rahmen der EU: "Die Menschen können wir damit begeistern." Beide Projekte, erklärte Apel, würden auf Dauer positive Auswirkungen zeitigen.
Als Leitaussage wurde auf der Fachtagung der hessischen Fischer verdeutlicht, dass das Image vom Fischer, der bei Sonnenschein an seinem blauen Gewässer steht, auf die Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltung für Fischzüchter wohl nicht zutreffe. Ein körperlich harter und ausgesprochen zeitintensiver Beruf sei die Fischzucht, und seit einigen Jahren kämen weitere Belastungen auf diesen Berufsstand hinzu. Angefangen von einer "immensen Bürokratie" und immer neuen Auflagen bis hin zu Einflüssen der Globalisierung hätten sich die Fischzüchter mit vielfältigen Anforderungen auseinander zu setzen.
Im Fortbildungsseminar für die Fischer wurden relevante Themen der heutigen Fischzucht erörtert - zum Beispiel Neuerungen in der Gesetzgebung, Betriebswirtschaft, Einsparung von Energie, Krankheitsvorbeugung, Fütterungsstrategien sowie nationale und internationale Trends in der Fischzuchtbranche.
Hauptintention der Fachtagung war, durch Themen wie "Beispielhafte Kostenkalkulationen zur Wirtschaftlichkeit in der Forellenteichwirtschaft" oder "Was kosten Krankheiten? Wie kann man Krankheiten reduzieren und dadurch Kosten einsparen?" die Teilnehmer auf den neuesten Stand des Wissens zu bringen.
Immer wieder deutlich wurde, dass die Produktion eines gesunden Nahrungsmittels für den regionalen Markt eine verantwortungsvolle Tätigkeit darstelle. Gesund solle sie sein, die Forelle, schmackhaft und noch dazu bezahlbar. Angesichts steigender Energie- und Futterpreise, der zunehmenden globalen Nachfrage nach fast allen Grund- und Rohstoffen und eines immer dichter werdenden Vorschriftendschungels sei die Fischerzeugung eine echte Herausforderung für Fischzuchtbetriebe, die sich in vielen Fällen bereits in dritter Generation dieser Aufgabe stellten.

 
Organisator Kai Uwe Bernhard
Fotos: la