Rettung für Kabeljau

 
EU-Agrarminister uneins über Gen-Soja
 

Von Werner Balsen

BRÜSSEL. Bevor die EU-Agrarminister sich gestern an heiße Eisen wie Milchmenge und Direktzahlungen machten, hakten sie andere Punkte ihrer Tagesordnung ab.
Zufrieden zeigte sich die Berliner Ressortchefin Ilse Aigner bei ihrem ersten Brüsseler Auftritt mit dem einstimmig beschlossenen Rettungsplan für den Kabeljau. Der bisherige Schutz reicht laut Wissenschaftlern nicht aus, um eine Erholung der gefährdeten Bestände des Nordseefisches sicher zu stellen. Die neuen Regeln reduzieren die erlaubten Fangmengen 2009 um ein Viertel. In den Folgejahren sollen sie jeweils um weitere zehn Prozent sinken.
Bisher weisen die Mitgliedstaaten den Fischern unabhängig von der Fangkapazität ihrer Schiffe eine bestimmte Zahl von Tagen zu, an denen sie auslaufen dürfen. Künftig werden große Kutter öfter im Hafen bleiben müssen als kleine. Gleichzeitig soll durch andere Maschengröße der Netze die Menge der Tiere reduziert werden, die in den Netzen der Kabeljaufischer landen, aber nicht gebraucht werden. Für deutsche Krabben- und Seelachsfänger gelten die neuen Netzbestimmungen nicht.
Nicht einigen konnten sich die Minister auf eine Entscheidung über die Einfuhr von gentechnisch veränderten Sojabohnen. Der US-Agrarkonzern Monsanto beantragt bereits die Zulassung eines zweiten Gen-Typs. Jetzt liegt die endgültige Entscheidung bei der EU-Kommission. Sie orientiert sich an Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die bislang gentechnisch veränderte Produkte für wissenschaftlich unbedenklich erklärt hat.
Schließlich stimmten die Minister einem EU-Programm für die Abgabe von Obst und Gemüse an Schulen zu. Dabei stellt die Union 90 Millionen Euro pro anno zur Verfügung. Das Programm soll die Ernährung von Kindern und Jugendlichen ändern sowie Übergewicht vermeiden.