Gemeinsame
Aktion in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), das Österreichische
Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF),
das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher
Sporttaucher (VDST) haben den Aal zum Fisch des Jahres 2009
gewählt. Erstmalig hat sich an der gemeinsamen Aktion auch
der Schweizerische Fischereiverband (SFV) beteiligt.
Mit dieser Wahl soll darauf aufmerksam gemacht
werden, dass die Bestände des Europäischen Aals
(Anguilla anguilla) fast im gesamten Verbreitungsgebiet erheblich
zurückgegangen sind und dass es gilt, diesen außergewöhnlichen
und einzigartigen Fisch besser zu schützen.
Der Aal ist mit seinem schlangenförmigen
und langgestreckten Körper unverwechselbar. Er lebt auf
dem Grund unter Steinen, im Schlamm oder in Spalten und ernährt
sich vorwiegend von Würmern, (Klein-)Krebsen, Insektenlarven,
Fischlaich, aber auch von Fischen.
Die Gründe für den Bestandrückgang
sind vielfältig und bisher nicht ausreichend geklärt.
Als Ursachen werden natürliche und anthropogene, d.h.
vom Menschen verursachte Faktoren in der ozeanischen und kontinentalen
Lebensphase der Aale vermutet, denen sie im Zusammenhang mit
Ihrem Wanderverhalten ausgesetzt sind.
Aale schlüpfen im Atlantik, in der Sargassosee
nahe den Bahamas. Mit dem Golfstrom werden die Larven östlich
verdriftet und nach etwa drei Jahren erreichen sie die europäischen
Küsten. Umgewandelt zu Glasaalen, wandern die jungen
Aale dann in die Flußmündungen ein, steigen in
den Flüssen auf und gelangen auch in Seen. Hier wachsen
sie dann innerhalb von sechs bis zwölf Jahren als Gelbaale
zur Geschlechtsreife heran. Zur Fortpflanzung wandern sie,
nun Blankaale genannt, wieder tausende Kilometer zurück
in die Sargassosee, wo sie geschlüpft waren. Dort laichen
die Aale ab und sterben. Das Vorkommen des Europäischen
Flussaals erstreckt sich über die Atlantische Küste
Nordafrikas und Europas (inklusive Nordsee, Ostsee und Mittelmeer).
Für den dramatischen Bestandsrückgang gibt es ein
ganzes Bündel von Ursachen.
Da der Aal ein Wanderfisch ist, spielt die Verbauung der Gewässer
durch Wasserkraftwerke eine große Rolle, welche für
ihn oftmals eine unüberwindbare Barriere darstellt. Vielfach
bleibt ihm auf seiner Rückwanderung oftmals nur der Weg
durch den Turbinenschacht. Abhängig vom Turbinentyp wird
der Aal dabei oft getötet oder schwer verletzt.
Auch die weltweite Nachfrage nach Aal bringt
die Fische in Bedrängnis - vor allem der Fang von Glasaalen.
Der Wegfang der Glasaale und die direkte Verarbeitung zu Fischkonserven
vor allem in Frankreich, Portugal und Spanien, hat zur Dezimierung
beigetragen. Ebenso wie der Export der Glasaale nach Fernost
für die Aalmast, wo Händler horrende Preise für
die jungen Aale zahlen.
Zusätzlich zu all den vom Menschen verursachten
Gefahren, hat der Aal auch noch biologische Feinde, wie den
Schwimmblasenwurm oder das Aal-Herpesvirus die den Bestand
massiv gefährden. Zu erwähnen ist auch vornehmlich
der Kormoran, der zum Rückgang der Aalbestände das
Seinige beiträgt. Wissenschaftler untersuchen zudem,
ob klimatische Veränderungen Einfluss auf den Bestandsrückgang
haben.
Der Internationale Rat für Meeresforschung
(ICES) hat den Aal deshalb als "außerhalb sicherer
biologischer Grenzen" eingestuft; in Deutschland steht
er bereits seit 1998 auf der Roten Liste gefährdeter
Arten.
Die EU-Fischereiminister haben reagiert und
unter der deutschen Ratspräsidentschaft ein europaweites
Rettungsprogramm für die Aale beschlossen. Bis Ende des
Jahres müssen nun alle EU-Staaten eigene Managementpläne
vorlegen. Ab dem kommenden Jahr sollen neben anderen Maßnahmen
erstmals eine bestimmte Menge gefangener Glasaale verpflichtend
zur Aufzucht in den Binnengewässern ausgesetzt werden.
Auch das Weltartenschutzabkommen CITES hat auf seiner 14.
Vertragsstaatenkonferenz, auf Antrag Deutschlands, ein Rettungsprogramm
und strenge Handelsbeschränkungen für Aale beschlossen,
um den bedrohten Fisch besser zu schützen.
Die Angelfischerei leistet Jahr für Jahr
ihren Beitrag zur Erhaltung des Aals und investiert erhebliche
finanzielle Mittel in Besatzmaßnahmen, ohne welche die
Bestände bereits wesentlich niedriger wären.
Bleibt zu hoffen, dass mit den geplanten Maßnahmen
das Überleben des Europäischen Aals gesichert werden
kann, denn es wäre schade, wenn dieser biologisch so
interessante Fisch in Zukunft nicht mehr in unseren Gewässern
sondern nur noch in unserer Erinnerung leben würde.
V. i. S. d. P.
Peter Mohnert
Präsident
Verband Deutscher Sportfischer e. V.; Offenbach, den 17.10.2008
Abdruck honorarfrei
Belegexemplar erbeten
Foto:Wolfgang Hauer
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