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Schon oft habe ich davon gehört oder
gelesen, dass Fische erneut an die Angel gehen, obwohl sie
bereits einmal oder gar mehrfach Bekanntschaft mit einem Angelhaken
gemacht haben.
Selbst erlebt hatte ich derartiges aber noch nicht. Bis vor
einigen Tagen, als ich beim Fliegenfischen in einem rasch
fließenden Flussabschnitt einige aktive Forellen in
Reichweite hatte. Die Fische waren bei ihrer Nahrungsaufnahme
nicht wählerisch und nahmen fast alles, was an Insekten
und Nymphen auf oder unter der Wasseroberfläche zu ihnen
getrieben kam.
Ein etwas besserer Fisch stieg sehr regelmäßig
an derselben Stelle, nur wenige Zentimeter neben einer dicken
Fahne flutenden Hahnenfußes, unter der er offensichtlich
seinen Standplatz hatte. Da er auf der von mir abgewandten
Seite der Krautfahne stieg, war er schwierig anzufischen,
immer wieder verfingen sich Fliege, Vorfach oder Schnur in
den Pflanzen. Etliche meiner misslungenen
Versuche ertrug die Forelle mit Würde, aber schließlich
konnte ich sie innert zwanzig Minuten dreimal haken. Jedesmal
strampelte sich der Fisch in seiner "Krautburg"
wieder los, war aber jeweils nach kurzer "Bedenkzeit"
wieder aktiv und nahm weiter Nahrung auf. Um die seinen "Gleichmut"
nicht doch über Gebühr zu strapazieren, wechselte
ich das Fliegenmuster. Die Forelle nahm auch diese Fliege
nach einigen Versuchen bei der ersten halbwegs gelungenen
Drift und verschwand damit wie gewohnt blitzartig unter dem
Kraut. Meine Reaktion mag diesmal wohl etwas zu heftig ausgefallen
sein, jedenfalls kam das Vorfach nach kurzem Ruck fliegenlos
zurück. Meine 10er Grouse & Purple war ab! Schade,
es war das letzte Exemplar dieses klassischen Naßfliegenmusters
in meiner Fliegenschachtel. Der Fisch stieg weiter in geradezu
aufreizend gleichmäßigem Takt. Ich ersetzte die
Vorfachspitze und knotete eine neue Fliege an, diesmal eine
trockene 16er Tups Indespensable, sozusagen das Kontrastprogramm
zur vergleichsweise großen Naßfliege. Und es klappte!
Nach kurzem heftigem Drill durchs Kraut hatte ich die Forelle
vor mir, die kleine Trockenfliege hatte sie sauber im Maulwinkel
gefasst
und im linken Oberkiefer saß fest (obwohl
widerhakenlos, oder vielleicht gerade deswegen?) die Naßfliege
von vorhin. Unglaublich! So etwas hatte ich noch nie erlebt!
Meine persönliche Erkenntnis aus diesem
Erlebnis:
Berufene und Unberufene mögen meinetwegen darüber
diskutieren, ob Fische Schmerz empfinden bzw. dazu fähig
sind, oder nicht. Diese Forelle jedenfalls ist ständig
aktiv gewesen und hat auch noch beim fünften Versuch
meine Fliege genommen, obwohl sie vorher bereits viermal Hakenkontakt
gehabt und zudem noch die abgerissene Fliege im Oberkiefer
sitzen hatte. Verhält sich so ein Fisch, der Schmerzen
hat, oder der sich wenigstens sonstwie "unwohl"
oder "gestreßt" fühlt? Ich glaube kaum.
Leonhard R. Peter
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