| Wiesbaden. Mit
Taschenspielertricks versuchen HGON und NABU die Öffentlichkeit
zu täuschen: Sie machen aus der witterungsbedingten Ausnahmesituation
im Januar 2010 einen Trend des Kormoranbestands im Winter. Auch
die behauptete Verringerung des Brutbestands um fast die Hälfte
stimmt nur, wenn ein großer Teil der Wirklichkeit ausgeblendet
wird. Die hessischen Fischer, die unter wissenschaftlicher Anleitung
nun bereits seit 15 Jahren regelmäßig selbst Kormoranzählungen
durchführen, haben 2010 genau einen Tag vor den Vogelschutzorganisationen
landesweit gezählt und kommen zu ganz anderen Bewertungen.
Gleichzeitig registrieren sie im Januar 2010 die nach dem Frost
von Februar/März 2009 bereits zweite Welle verheerender
Kormoraneinflüge an kleinen und mittleren Fließgewässern
der Mittelgebirge innerhalb von 12 Monaten. Sie befürchten
nicht nur, sie beobachten aktuell machtlos die Ausrottung der
letzten hessischen Bestände der Äsche und den Niedergang
anderer stark bedrohter Fischarten.
"Das kennen wir schon" sagt der Vizepräsident
und Naturschutzreferent des Verbandes Hessischer Fischer,
Rainer Hennings. "Da wird aus einer witterungsbedingten
Ausnahmesituation gleich ein Trend gemacht -'verwaiste' Schlafplätze,
'weniger' Wintergäste, und auch der behauptete 'Rückgang'
der Brutpaare stimmt nur, wenn man einen großen Teil
des Geschehens ausblendet: Die 'Halbierung' der Brutpaare
hat nur an einer, allerdings der bisher größten
Brutkolonie von den 6 Kolonien, die HGON, NABU und die Staatliche
Vogelschutzwarte bisher eingestehen, stattgefunden. Dass dafür
mittlerweile eine ganze Reihe neue Brutkolonien im Hinterland
entstanden sind, wird schlicht ignoriert. Und man zählt
bei den Vogelfreunden nur an den seit über zehn Jahren
immer gleichen 62 Schlafplätzen - wir kennen mittlerweile
168". Die sind natürlich nicht immer alle besetzt,
fährt der Fischereisachverständige fort, werden
aber fast alle bei den Zählungen des VHF kontrolliert.
Von den aus der landesweiten, synchronen Schlafplatzzählung
des VHF am 16.an.2010 bisher zurückgelaufenen Meldebögen
bezieht sich aber gut ein Viertel auf neue Schlafplätze.
Das ist die überdeutliche Bestätigung eines Phänomens,
das Fischer und andere Naturfreunde in Frostperioden immer
beobachten: Die oft Hunderte Vögel umfassenden Schlafgesellschaften
an den großen Stehgewässern in den Flussauen lösen
sich auf, und die Tiere verteilen sich auf eine große
Zahl kleiner und kleinster Schlafplätze, die sich wie
Perlen an der Schnur an den noch eisfreien größeren
und kleineren Mittelgebirgsbächen aufreihen. Dort werden
die Tiere von den Vogelfreunden überhaupt nicht (man
zählt ja nur die 62 uralten Plätze) und von den
Zählern aus der Fischerei nur unzureichend erfasst. "Da
ist schon mal ein großer 'verwaist', so der Schultheißweiher
Offenbach, der im Herbst noch rund 300 Tiere hatte und Mitte
Januar 2010 nicht besetzt war. Und nach dem großen Frost
sind sie dann alle wieder da, die Häupter unserer Lieben"
sagt Rainer Hennings. Erst ein über mehrere Monate und
Winter anhaltender Rückgang kann seriös als Beleg
für eine Trendwende im Kormoranbestand gewertet werden.
Wer aufmerksam die seit Anfang der Neunziger
Jahre anhaltende Diskussion verfolgt hat, wird feststellen,
dass seit nunmehr 15 Jahren gebetsmühlenartig die Behauptung
wiederholt wird, die Kormoranbestände gingen zurück
oder seien sogar rückläufig. Wenn dann mit mehrjähriger
Verzögerung endlich die
wissenschaftlich belastbaren Veröffentlichungen der Ornithologie
erscheinen, muss man dann staunend feststellen, dass erneut
eine starke Zunahme eingetreten ist, so zuletzt um 21 % beim
Brutbestand in Hessen vom Jahr 2004 auf 2005. Der Autor dieser
wissenschaftlichen Studie bewertete dies so: "... der
Bestand am Brutplatz Biedensand ging zurück, insgesamt
konnte der Bestand in der Fläche leicht zunehmen".
Sind 21 % im Lauf eines Jahres eine leichte Zunahme'?
Im Januar 2010 kommen nun nach dem Märzfrost
2009 zum zweiten Mal innerhalb von 12 Monaten aus ganz Hessen
die Meldungen von verheerenden Einflügen großer
Zahlen von Kormoranen in mittleren und kleinen Flüssen
des Mittelgebirges. Dort erbeutet der Kormoran nicht, wie
ebenso gebetsmühlenartig von Vogelschutzseite immer wieder
behauptet wird, nur wertlose' Weißfische, sondern
eben hauptsächlich die dort vorherrschenden und naturschutzfachlich
wertgebenden Flussfischarten. Allen voran betroffen ist die
Äsche, aber auch Barben und Nasen. Diese werden vom Kormoran
nicht etwa feinschmeckermäßig bevorzugt, sie werden
vielmehr Opfer ihrer Überwinterungsstrategie. Sie suchen
im Winter tiefe, ruhig strömende Stellen des Freiwassers
auf, wo sie schwarmweise dicht und Energie sparend beisammen
stehen. Dort sind sie dann eine leichte Beute für den
häufig gruppenweise jagenden Kormoran.
Aktuell ist an früheren Vorzeigegewässern,
wie der oberen Eder, der oberen Lahn, und der hessischen Sinn
ein erneuter vollständiger Zusammenbruch der zwischenzeitig
mehrfach neu aufgebauten Äschen- und Flussfischstände
festzustellen. Besonders tragisch ist dies an der hessischen
Sinn: Dort wurde, teilweise in Pionierarbeit und mit sehr
hohem finanziellen Aufwand und Arbeitseinsatz von privater
Seite, ein in Naturschutzkreisen überregional beachtetes
Projekt der Äschenvermehrung aus Elternfischen der lokalen
Population über Jahre hinweg durchgeführt. Auslöser
für das Projekt war der erste starke Kormoraneinfall
1996/1997 gewesen. Der Bestand konnte zweimal erfolgreich
wieder aufgebaut werden, starke Kormoraneinflüge im Winter
2002/2003 und jetzt zweimal in den letzten 12 Monaten haben
den Erfolg zunichte gemacht und die Äsche im Gewässersystem
der Sinn auf hessischer wie bayrischer Seite nahezu vollständig
ausgerottet. Die Äsche ist nach der bundesdeutschen Roten
Liste "stark gefährdet", in der längst
überfälligen Neufassung der hessischen Roten Liste
könnte sie nur mit "vom Aussterben bedroht"
geführt werden. Der Kormoran dagegen gehört längst
nicht mehr zu den gefährdeten Vogelarten, stellt sogar
die europäische Kommission eindeutig fest.
Der Verband Hessischer Fischer fordert
HGON und NABU auf, auf den Boden der Seriosität und wissenschaftlichen
Redlichkeit zurückzukehren. Die beiden Verbände
laufen sonst Gefahr, ihre Reputation und Glaubwürdigkeit
in der Öffentlichkeit, die zuletzt schon mit der umstrittenen
und sachlich nicht gerechtfertigten Wahl des Kormorans zum
Vogel des Jahres 2010 in ein schiefes Licht geraten waren,
gänzlich zu verlieren.
|